Die Geschichte des MC-SMALCALDA
Einleitung
Der Motorsportclub Smalcalda Schmalkalden e.V. blickt auf eine lange und vielseitige Geschichte im Motorsport zurück, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Über die Jahrzehnte hinweg engagierten sich die Mitglieder in ganz unterschiedlichen Disziplinen: K-Wagen-Rennsport, Automobil-Rallye, Orientierungssport und – bis heute das sportliche Herzstück des Vereins – der Kart-Slalom. Diese Chronik zeichnet die Entwicklung des Vereins chronologisch nach, von den ersten K-Wagen-Rennen zu DDR-Zeiten über die Rallye- und Orientierungssport-Erfolge der 1970er und 1980er Jahre bis hin zur Neugründung 1994 und dem bis heute aktiven Kart-Slalom-Nachwuchssport.
Die Anfänge: Motorsport zu DDR-Zeiten
K-Wagen-Rennsport
Der Ursprung des Go-Kart-Sports liegt in den USA, wo 1956 erstmals ein Rasenmähermotor auf ein Rohrgestell montiert wurde. Bereits 1964 fand in Leipzig das erste K-Wagen-Rennen der DDR statt. Mitte der 1960er Jahre bauten Kinder und Jugendliche unter Leitung von Sportfreund Heise in der Station Junger Techniker in Schmalkalden die ersten K-Wagen und nahmen an Bezirks- und DDR-Meisterschaftsläufen teil.
Aus der Region gingen mehrere DDR-Meister hervor, unter anderem H. Büchner (1969), Eberhard Fuchs (1970 und 1973) und Jürgen Simon (1974), der zudem mehrere Jahre der Nationalmannschaft angehörte. 1980 und 1984 richtete der MC Smalcalda mit dem 2. und 3. Schmalkalder K-Wagen-Rennen selbst hochkarätige Läufe zur DDR-Meisterschaft aus, die jeweils tausende Zuschauer anzogen. 1989 folgte mit dem 1. Schmalkalder Kart-Berg-Rennen am Stahlberg sogar eine international ausgeschriebene Veranstaltung mit Teilnehmern aus Polen.
Erstes K-Wagen-Rennen, Illustrierter Motorsport, Dezember 1961
Programm und Streckenplan zum 2. Schmalkalder K-Wagen-Rennen, 1980
Automobil-Rallyesport
Auch im Rallyesport war der MC Smalcalda über Jahrzehnte präsent. Von 1970 bis 1989 nahmen Rallye-Teams des Vereins erfolgreich an DDR-Meisterschaftsläufen sowie Bezirksmeisterschaftsläufen teil. Der Verein organisierte in Schmalkalden selbst die traditionsreiche Kleeblatt-Rallye, deren Bordbücher und Streckenpläne noch heute die anspruchsvolle Navigation jener Zeit dokumentieren.
Höhepunkte waren unter anderem der 2. Platz der Besatzung Tanz/Deutschbein auf Lada 1500 bei der XXIII. Internationalen Rallye Wartburg 1980 sowie der Gewinn der DDR-Mannschaftsmeisterschaft im Tourenwagensport 1981 durch das Team des MC Smalcalda. 1982 sicherte sich die Mannschaft zudem den Vizemeistertitel und mehrere Bezirksmeistertitel im Bezirk Suhl. Die Teilnahme an der Internationalen Rallye Wartburg gehörte bis in die späten 1980er Jahre zum festen Bestandteil des sportlichen Kalenders.
Programm der XXIX. Internationalen Rallye Wartburg, 1986
Orientierungssport
1973 ging der Orientierungssport aus der Motorsport-Touristik des ADMV hervor; ab 1974 wurden erste Bezirks- und DDR-Meisterschaften ausgetragen. Gegründet wurde diese Sektion im MC Smalcalda durch Sportfreund Diether Meschke, der gemeinsam mit seiner Frau Helga Meschke von 1974 bis 1989 erfolgreich an Bezirks- und DDR-Meisterschaftsläufen teilnahm.
Das Team Mathias Kurstedt/Peter Gaudian erzielte in seiner ersten Saison 1985 den 2. Platz bei der DDR-Bestenermittlung in der Klasse Motorrad und errang 1987 sogar den 1. Platz in der Klasse A2. Neben den nationalen Wettkämpfen nahmen Vereinsmitglieder auch am internationalen Zwinger-Pokal in Dresden teil, an dem Teams aus Polen, der ČSSR, Ungarn, Rumänien und Bulgarien beteiligt waren. Ab 1974 organisierte Diether Meschke zudem die offene Schmalkalder Orientierungsfahrt für Jedermann, die bis 1989 regelmäßig durchgeführt wurde.
Diether und Helga Meschke bei der Orientierungsfahrt
Urkunden zur DDR-Bestenermittlung Orientierungssport, 1987
Neubeginn nach der Wende
Nach der politischen Wende erfolgte 1994 die Neugründung des MC Smalcalda Schmalkalden e.V. im ADMV. Der Verein setzte fortan neue Schwerpunkte, wobei zwei Bereiche das sportliche Vereinsleben prägten: der Trabant-Lada-Racing-Cup im Automobil-Rennsport und – als zentrales Nachwuchsprojekt – der Kart-Slalom.
Trabant-Lada-Racing-Cup
Der Trabant-Lada-Racing-Cup (TLRC) ist eine Amateurrennsportserie des ADMV, die 1993 auf Initiative des Exrennfahrers und Motorentuners Helmut Aßmann aus Gotha entstand. Ziel war es, die vorhandene DDR-Fahrzeugtechnik zu erhalten und kostengünstigen Motorsport zu ermöglichen. Das Reglement sieht den gemeinsamen Start von Trabant („Rennpappen“, 600 ccm, 70–80 PS) und Lada (1300 ccm, 120–140 PS) mit getrennter Wertung vor.
Fahrer des MC Smalcalda beteiligten sich über viele Jahre erfolgreich an dieser Serie. Eberhard Fuchs aus Brotterode wurde 2002 TLRC-Meister im Trabant, Domenique Stiebritz aus Trusetal war mehrfach auf dem Podium der Lada-Wertung und wurde 2002 Vizemeister in seiner Klasse. Auch Volker Ullrich aus Floh-Seligenthal war mit einem originalgetreu aufgebauten Skoda 130 RS im Cup aktiv.
Trabant-Lada-Racing-Cup: Vorstellung der Rennserie
Gesamtwertung TLRC 2002 mit Fahrern des MC Smalcalda
Kart-Slalom – das Herzstück des Vereins
Nach der Neugründung 1994 legte der MC Smalcalda den Schwerpunkt der Clubarbeit auf den Kart-Sport. Bis heute ist der Kart-Slalom die zentrale Nachwuchsdisziplin des Vereins, in der über die Jahre zahlreiche junge Fahrerinnen und Fahrer ausgebildet wurden und beachtliche Erfolge auf Thüringen- und Bundesebene erzielten.
1995–1997: Aller Anfang ist schwer
Trainingsbeginn 1995 auf dem Schulhof in der Renthofstraße
1995 nahmen die Kinder und Jugendlichen des Vereins unter Leitung des 1. Vorsitzenden Joachim Kurstedt und Sportfreund Bamberger erstmals an einzelnen Veranstaltungen zur Thüringen-Meisterschaft in Schleusingen und Zella-Mehlis teil. Ab 1996 übernahmen Peter Gaudian und Joachim Kurstedt das Training, das auf der Kart-Bahn in Wernshausen sowie auf dem Schulhof in der Renthofstraße stattfand. Für alle Beteiligten war der Kart-Slalom-Sport Neuland, sodass die großen Erfolge in dieser Phase noch ausblieben.
1997 bildete sich mit Philipp Voigt, Martin Kurstedt, Patrick Noack, Matthias Bauer, Sebastian Schwarz und Stefan Voigt ein erstes festes Kart-Slalom-Team des MC Smalcalda, das in den Klassen 2 bis 6 am Thüringen-Pokal und der Thüringen-Meisterschaft antrat.
1998–1999: Erste Erfolge und die 1. Schmalkalder Stadtmeisterschaft
1998 konnte durch gezielte Mitgliederwerbung eine größere Gruppe Jugendlicher für den Kart-Slalom gewonnen werden; Stefan Voigt stellte sich als weiterer Trainer zur Verfügung. Am 5. September 1999 richtete der MC Smalcalda mit Unterstützung des MV Zella-Mehlis erstmals selbst einen Lauf zur Thüringen-Meisterschaft und zum Thüringen-Pokal aus – die 1. Schmalkalder Stadtmeisterschaft im Kart-Slalom. Schirmherr war Bürgermeister Bernd Gellert. Alexander Müller erreichte dabei mit Platz 3 in seiner Altersklasse einen ersten bemerkenswerten Erfolg für den Nachwuchs des Vereins.
Ausschreibung zur 1. Schmalkalder Stadtmeisterschaft Kart-Slalom, 1999
2000: Wachstum und die 2. Schmalkalder Kart-Slalom-Meisterschaft
2. Schmalkalder Kart-Slalom, September 2000 – „Piloten trotzten Petrus“
Im Jahr 2000 nahm das Kart-Slalom-Team unter den Trainern Frank Lesser und Stefan Voigt an den Läufen zur Thüringen-Meisterschaft, zum Thüringen-Pokal sowie erstmals auch zu Läufen der Deutschen Meisterschaft teil. Am 3. September 2000 fand der 2. Schmalkalder Kart-Slalom als 8. Lauf zur Thüringen-Meisterschaft statt; trotz Dauerregens überzeugten die jungen Piloten, und die Mannschaft des MC Smalcalda belegte den 2. Platz in der Mannschaftswertung.
2001: Landesförderung und erste Endläufe zur Deutschen Meisterschaft
2001 stellte der Verein bei der Landesregierung einen Antrag auf Fördermittel, um den Kart-Sport weiter auszubauen. Im März 2001 übergaben Landtagsabgeordneter Jens Goebel und Bürgermeister Bernd Gellert einen Förderbescheid über 6.700 Mark, mit dem zwei zusätzliche Karts und eine Zeitmesseinrichtung angeschafft werden konnten. Am 24. Juni 2001 richtete der MC Smalcalda mit dem 3. Schmalkalder Kart-Slalom zugleich einen Vorlauf zur Deutschen Meisterschaft aus. Philipp Voigt und Alexander Müller qualifizierten sich in diesem Jahr erstmals für die Endläufe zur Deutschen Jugendkart-Slalom-Meisterschaft. In der Mannschaftswertung der Thüringen-Meisterschaft erreichte der MC Smalcalda 1 einen hervorragenden 4. Platz.
Fördermittelübergabe für den Kart-Slalom-Nachwuchs, März 2001
2002: Sportliche Kontinuität
Ab 2002 trainierte die Kart-Slalom-Gruppe auf dem Schulhof des Förderzentrums Schmalkalden. Mit inzwischen 35 Mitgliedern gehörte der Kart-Sport zu den mitgliederstärksten Bereichen des Vereins. Beim 4. Schmalkalder Kart-Slalom im September 2002 belegte der MC Smalcalda 1 den 2. Platz in der Mannschaftswertung von elf teilnehmenden Klubs; Christian Stengel und Lisa Herdmann erzielten dabei die Tagesbestzeiten ihrer Klassen.
„Wie kleine Schumis die Runden drehen“ – Freies Wort, 2002
2003: Starke Heimläufe und der 1. ADMV-Cup
2003 setzte der MC Smalcalda die erfolgreiche Nachwuchsarbeit fort. Das Kart-Slalom-Team, dem unter anderem Tobias Fleischmann, Katharina Frank, Lukas Erichsen, Benjamin Beck, Markus Kurstedt, Thomas Müller, Alexander Müller, Franziska Lesser, Steffen Gaudian, Christian Stengel und Philipp Voigt angehörten, nahm erneut am Trainingslager des MV Zella-Mehlis in Römhild teil und startete bei Läufen zur Thüringen- und Deutschen Meisterschaft in Jena, Erfurt, Dresden und Zella-Mehlis.
1. ADMV-Cup im Jugendkartslalom
5. Schmalkalder Kart-Slalom
2004–2008: Neue Disziplinen und wachsende Erfolge
Auch 2004 bis 2006 blieb der Kart-Slalom fester Bestandteil der Vereinsarbeit; detailliertes Bildmaterial zu diesem Zeitraum liegt bislang nicht vor. Ab 2007 erweiterte der MC Smalcalda sein sportliches Engagement über den Kart-Slalom hinaus: Philipp Voigt startete im TLRC-Cup, Sebastian Schröder als Motocross-Pilot und Mario Simon in der Kart-Europameisterschaft im DTM-Rahmenprogramm. Im Kart-Slalom selbst erreichte Philipp Voigt mit dem 3. Platz in der Deutschen Meisterschaft seiner Altersklasse den bis dahin größten Einzelerfolg des Vereins; bei den ADMV-Dachverbandsmeisterschaften in Aue belegte das Schmalkalder Trio Kurstedt/Müller/Lesser die Plätze 1 bis 3 der Klasse 5. Daneben etablierte sich der jährliche Wettbewerb um den „schnellsten Autoverkäufer“ als beliebtes Rahmenprogramm für die regionale Autobranche.
2008 ging der Verein mit 17 Startern in die Saison und sicherte sich zahlreiche Laufsiege in Thüringen- und Deutscher Meisterschaft, unter anderem durch Leon Schneider, Toni Lipp, Katharina Frank, Dominic Jung, Markus Kurstedt und Philipp Voigt. Beim von Schmalkalden selbst ausgerichteten Abschlusslauf der Thüringer Meisterschaft gelangen dem MC Smalcalda fünf Klassensiege. Parallel arbeiteten Steffen Gaudian und Markus Kurstedt an einem eigenen 100-ccm-Rennkart, um ab 2009 auch im Kart-Rennsport aktiv zu werden.
Starker Saisonauftakt 2007
Jahresabschluss 2007
2009: 50-jähriges Jubiläum und erster Deutscher Meistertitel
Das Jahr 2009 war für den MC Smalcalda ein doppeltes Jubiläumsjahr: Der 1959 gegründete Verein beging sein 50-jähriges Bestehen – und mit Toni Lipp errang im Oktober erstmals ein Fahrer des MC Smalcalda den Titel des Deutschen Meisters im Kartslalom.
Die Festveranstaltung zum Vereinsjubiläum fand in Seligenthal statt. Vereinsvorsitzender Mathias Kurstedt begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter den Beigeordneten des Landrats Michael Heym, Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski, die Kartsportreferentin des Thüringer Motorsportbundes Birgit Szukalsky sowie Ehrenpräsident Joachim Kurstedt. Neben den aktuellen Erfolgen der Kart-Mannschaft wurde auch die Tradition des Vereins gewürdigt: Zahlreiche ehemalige Aktive waren eingeladen, darunter Jürgen Simon, DDR-Meister im K-Wagensport von 1968. Bürgermeister Kaminski dankte den ehrenamtlichen Helfern und den Eltern der Aktiven und richtete an den frisch gekürten Deutschen Meister die launigen Worte: „Mach weiter so und vergiss nicht, Schumi hat auch mal so angefangen!“ Michael Heym überreichte dem Verein für die Jugendarbeit einen Scheck über 1.000 Euro. Zum Abschied wurden zudem Philipp Voigt und Dominic Jung verabschiedet, die altersbedingt aus der Deutschen Meisterschaft ausschieden. Der Verein erhielt den ADMV-Pokal für 50 Jahre MC Smalcalda; Joachim Kurstedt wurde für 25, Mathias Kurstedt und Franziska Lesser für 10 Jahre Mitgliedschaft mit der Ehrennadel des ADMV ausgezeichnet.
Festveranstaltung „50 Jahre MC Smalcalda“ mit Toni Lipp, Deutscher Meister im Kartslalom 2009
2010: Vier Klassensiege beim Heimrennen
Als amtierender Deutscher Meister bestätigte Toni Lipp 2010 seine starke Form: Beim vom MC Smalcalda selbst ausgerichteten Heimrennen auf dem Parkplatz Hedwigswiese, zu dem 140 Starter aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen anreisten, gewann er trotz wechselhaften Wetters die Klasse 3. Insgesamt gelangen dem Verein vier Klassensiege: Neben Toni Lipp setzten sich Leon Schneider (Klasse 2), Markus Kurstedt (Klasse 6, vor Vereinskollege Steffen Gaudian) und Philipp Voigt (Klasse 7) durch. Auch die Mannschaft blieb ungeschlagen und erarbeitete sich einen Vorsprung von sieben Sekunden. Franziska Lesser und Markus Kurstedt sicherten sich zudem die Titel „Schnellstes Mädchen“ und „Schnellster Junge“. Als Nachwuchstalente traten in diesem Jahr erstmals Kevin Gießler, Daniel Körner, Marcel Schröder und Nils-Julius Gertenbach für den MC Smalcalda an.
Heimrennen auf dem Parkplatz Hedwigswiese
2011: Drei Thüringer Meistertitel
2011 holte der MC Smalcalda gleich drei Thüringer Meistertitel: den Mannschaftstitel sowie zwei Einzeltitel. In der Klasse 3 dominierten die Schmalkalder Fahrer nahezu vollständig – vier der ersten sechs Plätze der Gesamtwertung gingen an den Verein. Toni Lipp sicherte sich mit drei Siegen und vier zweiten Plätzen in acht Läufen den Gesamtsieg vor Teamkollege Daniel Körner (2., in seiner ersten kompletten Saison) und Leon Schneider (3.); Fabian Eck komplettierte das Ergebnis auf Platz 6. In der Klasse 6 blieb Markus Kurstedt in allen acht Läufen ungeschlagen, mit deutlichem Vorsprung vor Vereinskollege Steffen Gaudian. Auch die Mannschaftswertung ging – bei allen acht Rennen als Sieger – souverän an den MC Smalcalda. Bei den Endläufen zur Deutschen Jugend-Kartslalom-Meisterschaft erreichte der Verein einen 4. Platz.
Für Steffen Gaudian, der seit 2003 im Kart-Slalom aktiv war, war dies altersbedingt die letzte Saison in der Deutschen Meisterschaft; beim letzten der drei Endläufe im Oktober wurde er offiziell verabschiedet und erhielt von seinen Teamkameraden ein signiertes T-Shirt als Abschiedsgeschenk.
Abschied von Steffen Gaudian nach seinem letzten DM-Rennen
2016: Neuausrichtung auf den Nachwuchs
Zwischen 2005 und 2013 hatte der MC Smalcalda insgesamt sieben Thüringer Mannschaftstitel sowie etliche Einzeltitel in den jeweiligen Altersklassen gewonnen. Für die Saison 2016 – die 22. Saison des Vereins im Jugendkart-Slalom – entschieden sich die Trainer Franziska Lesser und Markus Kurstedt, die inzwischen selbst in der Klasse 7 aktiv waren und zusammen auf über 30 Jahre Erfahrung im Slalomsport zurückblickten, in Absprache mit Vereinsvorsitzendem Mathias Kurstedt für einen neuen Weg: Statt wie in den Vorjahren möglichst viele Wettkämpfe der Region 6 (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) zur DM-Qualifikation zu bestreiten, beschränkte sich der Verein in diesem Jahr vorrangig auf den Aufbau neuer Talente – Steve Müller, Aidan Leinhas und Florian Wilhelm – und die sieben Läufe der Thüringer Meisterschaft im eigenen Bundesland. Mit Kaldi (Konstantin Linz, Klasse 0) griff zudem erstmals ein weiterer Nachwuchsfahrer ins Lenkrad. Neu im Programm war außerdem der Superkart-Slalom (9 PS, C-Lizenz-pflichtig): Gleich beim ersten Start in Jena fuhr Markus Kurstedt auf die Plätze 1 und 2 sowie den Tagessieg.
Das neu eingekleidete Kartslalom-Team des MC Smalcalda
2022: Ausbildung, Ehrenamt und Vereinsalltag
Im Frühjahr 2022 gewährte der Verein Einblick in den Trainingsalltag auf dem asphaltierten Gelände der Firma FFK in Wernshausen, wo freitags und samstags junge Fahrerinnen und Fahrer unter Anleitung von Trainerin Franziska Lesser und Trainer Markus Kurstedt Figuren wie „Schneckenhaus“, „Brezel“, „Kreisel“ oder „Schweizer“ trainierten. Franziska Lesser, seit 23 Jahren dem MC Smalcalda verbunden und selbst als Zehnjährige beim Verein eingestiegen, gab ihr Wissen als Trainerin an die nächste Generation weiter; anders als zu ihren Anfangszeiten, als der Kart-Slalom noch eine Domäne der Jungs und Männer war, lag der Mädchenanteil inzwischen bei rund zehn Prozent. Der Verein zählte zu dieser Zeit 25 Mitglieder im Alter von 7 bis 65 Jahren, betreute zwölf aktive Kinder und Jugendliche an den Jugendcarts und trat bei Slalom-Wettbewerben in der Region, in Thüringen und darüber hinaus an.
Training auf dem Gelände der Firma FFK in Wernshausen
2024: 65-jähriges Jubiläum
Das 65-jährige Bestehen des MC Smalcalda wurde 2024 im Restaurant Hopfengarten mit Vereinsmitgliedern, Vorstand, jungen Motorsportlern und Ehrengästen gefeiert. Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski würdigte den Verein mit den Worten: „Der Motorsport gehört in unsere Schmalkalder Gesellschaft, genauso wie Fußball, Judo oder Volleyball. Auch dient es als Alleinstellungsmerkmal für Schmalkalden wie auch für Südthüringen.“ Er berichtete zudem von städtischen Planungen für ein mögliches neues Domizil, auf dem der Verein künftig seinem Kart-Slalom nachgehen könnte. Der Präsident des Thüringer Motorsport Bundes, Uwe Taube, gratulierte persönlich, und Ines Engelmann, Vizepräsidentin des Kreissportbundes, überbrachte Glückwünsche zum 1959 gegründeten Motorsportclub. Vereinsvorsitzende Franziska Lesser, seit 25 Jahren dem Verein verbunden und seit drei Jahren im Vorstandsamt, erhielt die Ehrennadel des Landessportbundes; Patrick Bolduan und Markus Kurstedt (seit 24 Jahren dabei) wurden vom Thüringer Motorsport Verband mit Ehrennadel und Medaille für ihre ehrenamtliche Arbeit geehrt, Jasmin Bolduan durch den Kreissportbund. Als aktive Fahrerinnen und Fahrer saßen zu diesem Zeitpunkt zwölf Kinder und Jugendliche, betreut von drei Trainern, für den MC Smalcalda am Steuer; als größte Herausforderungen nannte der Vorstand die Mitgliederzahl und die Trainingsörtlichkeiten.
Feier zum 65-jährigen Bestehen des MC Smalcalda
2025: E-Karts und die Suche nach einem eigenen Gelände
Bei den abschließenden Läufen zur Thüringenmeisterschaft im Jugendkart-Slalom im August 2025 auf dem Festplatz in Niederschmalkalden – bei denen der MC Smalcalda sowohl Gastgeber des Finallaufs als auch Teilnehmer war – kamen erstmals geräuscharme E-Karts zum Einsatz. Vereinsvorsitzende Franziska Lesser hob hervor, dass der 5. von insgesamt sechs Läufen vom MV Zella-Mehlis mit Unterstützung des MC Smalcalda ausgerichtet wurde, während der Finallauf am Folgetag in eigener Regie stattfand. Mit dem siebenjährigen Bela Böhm ging der jüngste Schmalkalder Fahrer bei seinem ersten Landesmeisterschafts-Wochenende an den Start; insgesamt vertraten elf Fahrerinnen und Fahrer den MC Smalcalda in einem Teilnehmerfeld, das sich von Eisenach bis Gera und Jena sowie von Nordhausen bis Erfurt erstreckte. Finn-Luca Rehm erreichte in der Klasse 3 den 4. Platz der Gesamtwertung.
Der organisatorische Aufwand für das Kart-Wochenende war beträchtlich: Rund 30 Helferinnen und Helfer waren im Einsatz, auch Eltern der Aktiven halfen mit. Nach wie vor fehlt dem Verein jedoch ein eigener Trainingsplatz – eine Suche, die weiterhin andauert und bei der auch Unterstützung von Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski sowie vom Landratsamt kommt.
Fazit
Von den ersten K-Wagen-Rennen der 1960er Jahre über Rallye- und Orientierungssport-Erfolge zu DDR-Zeiten, der Neugründung 1994 bis zum ersten Deutschen Meistertitel 2009 und dem bis heute lebendigen Kart-Slalom-Nachwuchssport: Die Geschichte des MC Smalcalda Schmalkalden e.V. ist geprägt von ehrenamtlichem Engagement, sportlichem Ehrgeiz und einer über Generationen gewachsenen Vereinsgemeinschaft. Mit sieben Thüringer Mannschaftstiteln zwischen 2005 und 2013, der 65-jährigen Jubiläumsfeier 2024 und dem Umstieg auf geräuscharme E-Karts 2025 zeigt sich, dass der Verein auch mehr als sechs Jahrzehnte nach seiner Gründung seinem Nachwuchs- und Vereinsgedanken treu geblieben ist – auch wenn die Suche nach einem eigenen Trainings- und Wettkampfgelände den Verein bis heute begleitet. Diese Chronik wird mit weiterem Bildmaterial und den Ereignissen der Folgejahre kontinuierlich ergänzt.


















